Weihnachtsschnipsel aus meinem Debütroman

Ich hasste es, Geschenke einzupacken! Vor allem solche, die man nicht einfach in eine Geschenktüte stecken konnte. Was musste ich Toni auch unbedingt so ein großes Geschenk machen? Ich stöhnte auf, als die Rolle Geschenkpapier leer war. Auch das noch. Ich griff nach der zweiten Rolle. Zum Glück hatte ich drei davon gekauft.
Es klingelte. Ich schreckte auf. Wenn das Toni war, blieb mir keine Zeit das hier zu beenden. Mist! Ein halb bis dreiviertel umhülltes Geschenk wollte ich ihr garantiert nicht zeigen.
Es läutete wieder. Schnell ging ich zum Summer. „Hallo?“
„Lässt du mich rein? Es ist kalt!“
„Ich kann sie auch wieder mitnehmen“, schlug Georg vor.
„Nein!“
Das Lachen von Tonis Vater offenbarte mir, dass er es sowieso nicht ernst gemeint hatte. Mutierte er zu so einem Scherzkeks wie Toni? Dann würde ich an den Feiertagen ja richtig Spaß haben.
Ich betätigte den Knopf zum Öffnen der Haustür, schlüpfte in meine Sneakers und stieg die Treppe hinunter. Irgendwie beschlich mich der Verdacht, dass Toni mit viel Gepäck gereist war. Was sollte ich sagen? Ich hatte recht!
 Neben ihrem großen Koffer hatte sie zwei riesige Tüten dabei. Wieso kaufte sie so viel? Ich dachte, dass wir uns nichts schenken wollten. Okay, ich hatte mich auch nicht darangehalten. Ich geb’s zu. Aber irgendwie war ihr Geschenk ja auch für uns beide. Darum zählte das nicht.
Wir verabschiedeten uns von Georg und liefen die Stufen hinauf. Vor der Wohnungstür hielt ich kurz inne. Tonis halbeingepacktes Geschenk fiel mir wieder ein. Schließlich war es zu sperrig, um es irgendwo zu verstecken. Außerdem konnte ich es kaum erwarten, es ihr zu schenken. Seit es gestern geliefert wurde, platzte ich beinahe vor Ungeduld.
„Du musst hier warten“, erklärte ich ihr und versperrte ihr den Weg in die Wohnung.
Verwundert betrachtete Toni mich. „Wieso?“
„Wirst du gleich sehen.“
Sie runzelte ihre Stirn. „Von wegen wir schenken uns nichts!“
Ich musterte ihre Tüten. „Um wie viel wetten wir, dass sich dort auch ein Geschenk für mich befindet?“
Toni versuchte, ihr Pokerface aufrecht zu erhalten. Doch ihre Mundwinkel zuckten.
„Mehr als eins?“
„Mann, Felix! Jetzt lass mich bitte rein. Du brauchst es nicht extra einzupacken.“ Sie machte einen Schritt auf mich zu. Auch wenn ich es mochte, wenn sie mich bedrängte, war jetzt nicht der geeignete Moment.
„Zu spät. Es ist schon zur Hälfte eingepackt.“
„Na dann brauchst du ja den Rest nicht mehr zu machen.“
„Du bist aber auch gar nicht neugierig“, neckte ich sie.
„Willst du eines deiner Geschenke? Jetzt sofort? Dann lass mich einfach rein“, drehte Toni den Spieß um. Dabei lächelte sie so zuckersüß, dass ich ihr nur mit immenser Kraft widerstehen konnte.
„Nee. Ich mach den Rest noch fertig. Gib mir die Tüten. Dann stell ich sie schon rein.“
„Ah ah! Auf keinen Fall.“
„Vertraust du mir nicht?“
„Nicht, wenn es um deine Weihnachtsgeschenke geht!“
Ich zuckte mit meinen Schultern. „Dann musst du sie wohl weiterhin in den Händen halten. Pech.“
„Felix. Das ist doch albern.“ Toni schubste mich ein bisschen, um an der Tür vorbeischauen zu können.
„Es ist ne Überraschung!“
Da ich sie ein Stück wegschob, gab sie jammernde Laute von sich. „Ich seh es doch eh gleich!“
Wie sollte ich dieses Argument aushebeln? Ich seufzte. „Komm schon. Bitte, Toni. Es ist unser erstes Weihnachten.“
Ihre Züge wurden weicher und sie lächelte. „Okay.“
Erleichtert betrat ich die Wohnung mit ihrem Koffer. Die Tür ließ ich offen, weil ich wusste, dass sie mir diese Überraschung nicht versauen würde. Ich wollte sie auch nicht vor der verschlossenen Tür stehen lassen.
Schnell wickelte ich auch die zweite Rolle um Tonis Geschenk. Mit etwas Abstand betrachtete ich mein Werk. Es sah absolut scheiße aus. Aber es ging sowieso darum, was darin steckte. Dank meiner schrecklichen Einpackfähigkeit erkannte man nicht, was das Geschenk war.

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