Interview mit Andy und Eric in Manchester

Ich: Hey Andy und Eric! Toll, dass ihr gekommen seid.

Eric schaut sich im Brewdog Outpost um.

Eric: Hatten wir denn eine Wahl?

Andy stößt ihn mit dem Ellbogen an.

Eric: Was denn?! Ich hab keinen Bock schon wieder von Paparazzi abgelichtet zu werden.

Ich beuge mich über den Tisch.

Ich: Dieser Tisch ist von der Straße nicht gut einsehbar. Und die meisten Leute, die am Fenster vorbeilaufen, haben andere Sachen zu tun.

Andy: Zum Beispiel müssen die zum Bus rennen.

Ich: Musstest du das denn, als du noch an der Uni warst?

Andy zuckt nur mit den Schultern.

Ich: Warst du hier oft unterwegs?

Andy: Klar. Die Cafés laden dazu ein. Wir konnten ja nicht in jeder kleinen Pause nach Worsley fahren. Obwohl der Bus gleich hier gehalten hat.

Ich: Und du, Eric? Hattest du nie den Wunsch an die Uni zu gehen?

Eric spitzt die Lippen.

Eric: Ich bin so mit dem Fußball beschäftigt, dass ich keine Ahnung hätte, wie ich das noch unterkriegen soll. Vielleicht mache ich das irgendwann. Aber dann wahrscheinlich nach meiner Karriere. Im Moment habe ich dafür einfach keinen Kopf.

Andy: Er muss die Premier League gewinnen und den FA-Cup und die Champions League …

Eric schubst sie.

Eric: Solange du noch keinen Doktortitel trägst, solltest du ganz still sein.

Andy verzieht ihr Gesicht.

Ich: Wie läuft es denn damit?

Andy: Schleppend.

Ich greife über den Tisch nach ihrer Hand.

Ich: Du schaffst das.

Andy: Du hättest mir ja auch einfach einen verpassen können.

Ich: Wo bleibt denn da der Spaß?

Eric: Und die Paparazzi vor meinem Haus? Sind die auch Spaß?

Ich: Wo wäre denn da der Nervenkitzel, wenn es alles Friede, Freude, Eierkuchen wäre?

Eric: Eier-was?

Ich: Ist nur so ein Spruch …

Ein Krankenwagen rast mit Blaulicht über die Oxford Road Richtung Stadtzentrum.

Ich: Vermisst du das Royal Infirmary, Andy?

Eric lacht.

Andy: Manchmal. Die Mädels können sehr anstrengend sein. Gerade, wenn gefühlt alle ihre Periode haben.

Ich: Also würdest du nicht zurückgehen?

Andy: Ungern. Ich mache jetzt das, was ich tun möchte.

Ich schaue auf meine Notizen.

Eric: Du hast dir echt Fragen aufgeschrieben? Du bist doch unsere Autorin … du weißt, doch alles über uns.

Ich: Aber die Leute, die das hier lesen nicht.

Andy beugt sich neugierig vor. Ich schiebe ihr meinen Block entgegen.

Andy: Was wir beim ersten Treffen übereinander gedacht haben?

Ich: Das könnte die Leute interessieren.

Andy: Dazu müssten sie doch nur dein Buch lesen.

Eric: Wenn es denn mal fertig ist … seit fast zwei Wochen hat sie nix geschrieben.

Ich: Weil ich so viel anderes zu tun hatte!

Eric: Fühl dich doch nicht gleich angegriffen … ich finde es gut, dass du dir all die Orte in Manchester anschaust. Wäre ja peinlich geworden, wenn du diese Sache mit der Metro nicht bemerkt hättest.

Ich verziehe das Gesicht.

Ich: Mann … da habe ich einmal nicht aufgepasst. In anderen Großstädten ist das Metronetz eben super ausgebaut. Aber hier muss man ständig mit dem Bus fahren.

Andy: Oder laufen.

Ich: So viel wie hier bin ich die letzten Monate nicht gelaufen.

Eric: Das ist armselig.

Ich trete sein Schienbein.

Eric: Ah …

Ich: Wer hat sich denn eben noch darüber beschwert, dass ich nicht fertig werde?

Eric: Trotzdem tut es deiner Gesundheit gut, wenn du dir auch mal etwas mehr Bewegung gönnst.

Andy: Du bist hier der Letzte, der etwas dazu sagen darfst!

Ich: Wie sieht‘s mit deiner Verletzung aus? Schon alles verheilt?

Eric: Fast. Nächste Woche darf ich wieder mit den anderen trainieren. Ich freu mich schon so darauf. Ich kann Carters Sprüche bald nicht mehr hören.

Andy: Er soll nur darauf achten, dass du es nicht übertreibst.

Eric: Mach ich schon nicht … dazu erinnerst du mich zu oft daran.

Ich: Apropos Carter … wie ist es für dich mit deiner zukünftigen Schwiegerfamilie zusammenzuarbeiten?

Andy kneift ihre Lider zusammen.

Andy: War das gerade eine Drohung?

Ich: Hallo? Ich schreibe Liebesromane mit Happy End … und ihr seid das erste Paar von neun. Was denkt ihr wohl, wird euer Plot in den nächsten Teilen sein?

Andy reißt ihre Augen auf, bevor sie breit grinst.

Andy: Sandra kommt auch unter die Haube? Sag bitte ja …

Ich verschließe meinen Mund und schmeiße den Schlüssel über die Schulter.

Eric schlägt sich an die Stirn.

Eric: Ich hasse dich, Julie … wie kannst du mir das nur antun?

Ich lächle ihn an.

Ich: Es wird gar nicht so schlimm … vielleicht … noch bin ich ja mit euch beschäftigt, bevor ich mich den anderen widmen kann.

Andy: Ist Sandra die nächste?

Ich: Vielleicht … vielleicht auch nicht …

Andy: Ach komm schon. Male den ersten Buchstaben auf die Tischplatte. Ich verrate es auch niemandem.

Ich tue ihr diesen Gefallen.

Eric: War das ein C?

Andy: Würde ich auch sagen.

Eric: Wird Doktor Crawford der Nächste sein?

Andy: Der ist doch verheiratet …

Eric überlegt. Langsam mustert er mich.

Ich: Was?

Eric: Hat es etwas mit den Gerüchten zu tun?

Ich: Vielleicht … vielleicht auch nicht …

Andy: Ihre Mundwinkel zucken. Es hat etwas damit zu tun.

Eric: Okay … dann bin ich mal gespannt, was Chris mit unserer Story zu tun haben wird.

Andy: Chris? Welcher Chris?

Eric: Christopher Schmitt. Der Innenverteidiger vom BVB.

Andy: Den wollen wir verpflichten? Können wir uns das überhaupt leisten? Der ist doch genauso viel wert wie mein Bruder. Und schon fast Ende Zwanzig.

Eric: Seine Erfahrung ist der Schlüssel.

Ich schaue mich um.

Andy: Das wird jetzt ganz schön voll hier.

Ich: Ist ja auch schon nach sechs.

Eric hebt die Hand.

Ich: Was machst du da?

Eric: Ich will deine Rechnung bezahlen.

Ich verdrehe die Augen.

Ich: Bei der Bestellung hab ich schon gezahlt.

Er lässt seinen Arm sinken.

Eric: Jetzt darf ich dich nicht mal einladen?

Ich: Wenn du mir was Gutes tun möchtest, sag allen Jungs aus dem Team, dass sie ein Buch kaufen sollen. Das hilft mir viel mehr.

Eric: Als wenn die Schnulzen lesen würden …

Ich: Die können die Bücher ja verschenken. An ihre Schwestern, Mütter oder Tanten.

Andy: Sehr gute Idee.

Sie fischt etwas aus ihrer Tasche.

Ich starre sie an.

Andy: Signierst du mir eins?

Ich: Aber du sprichst doch gar kein Deutsch …

Andy: Harper dafür schon. Und das wäre ein großartiges Weihnachtsgeschenk für sie.

Ich schreibe eine persönliche Widmung.

Andy: >Liebe Harper, habe niemals Angst vor der Liebe. Sie kann heilen. Deine Julie< Was soll das bedeuten?

Ich zucke nur mit den Achseln.

Eric flüstert ihr etwas ins Ohr.

Andy runzelt ihre Stirn.

Ich: Danke, dass ihr euch die Zeit für mich genommen habt.

Eric: Solange du dir in den nächsten Monaten die Zeit nimmst und unsere Geschichte zu Ende schreibst …

Ich: Natürlich! Ich kann es kaum erwarten, all die tollen Dinge der Reise einzuarbeiten.

Andy: Dann wollen wir dich mal nicht aufhalten.

Wir stehen auf, verlassen das Café und umarmen uns vor der Tür. Im Augenwinkel sehe ich etwas aufblitzen.

Eric knurrt irgendetwas unverständliches. Schnell entferne ich mich, bevor die Paparazzi das Paar umkreisen und mit Fragen bombardieren.

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